Lieferengpässe in der Apotheke: Der heimliche Burnout-Treiber fürs Personal
Wer aktuell in einer Schweizer Apotheke steht, kennt das Bild: Das Telefon klingelt ununterbrochen, die Schlangen am Verkaufstisch werden länger und bei fast jedem zweiten Rezept beginnt die bange Suche im System. Sind die globalen Lieferengpässe bei Medikamenten noch vor wenigen Jahren eine Ausnahmeerscheinung gewesen, diktieren sie heute den Arbeitsalltag.

Lieferengpässe in der Apotheke: Wenn die Suche nach Medikamenten den Alltag bestimmt
Das Ausmass dieses Problems lässt sich längst in harten Zahlen messen. Ein Blick auf die Daten zeigt, was Apothekenteams tagtäglich leisten müssen:
Die Referenzplattform "drugshortage.ch" verzeichnete in jüngsten Messungen fast 800 offene Meldungen für fehlende Präparate.
Davon galten über 700 Packungen als vollständig "nicht lieferbar".
Gemäss des PGEU-Reports investieren Apotheken mittlerweile durchschnittlich rund 12 Stunden pro Woche ausschliesslich in das Management von Lieferengpässen.
Jede Alternative, die auf dem Markt gesucht und jeder Arzt, der für eine Therapieanpassung kontaktiert werden muss, zieht hochqualifizierte Fachkräfte von der direkten Patientenbetreuung ab. Während ein Teil des Teams, insbesondere die Pharma-Assistent:innen, im Backoffice in telefonischen Warteschleifen bei Grossisten hängt oder anderweitig nach Lösungen sucht, muss das verbleibende Personal die doppelte Last am Schalter tragen. Die Auswirkungen spürt das gesamte Team.
„Als Apothekerin will ich eigentlich für die Patientinnen und Patienten da sein, sie empathisch beraten und ihre Therapien sicher begleiten. Aber die ständigen Lieferengpässe bringen einen massiven administrativen Mehraufwand mit sich. Die aufwendige Suche nach Lösungen zwingt uns zu endlosen Dokumentationen und einer strengen Einhaltung von QMS-Vorgaben, was unsere Kapazitäten völlig auffrisst. Das nimmt uns genau die Zeit, wofür wir diesen Beruf eigentlich gewählt haben.“ – Meliza Softa, Apothekerin und Inhaberin der Pharmy AG
Gut gemeinte Lösungen, die neue Probleme schaffen
Staatliche Massnahmen zur Linderung der Krise sind zwar vorhanden, verlagern den operativen Druck aber oft direkt auf das Apothekenpersonal. Ein prägnantes Beispiel ist die sogenannte "Teilmengenabgabe". Um knappe Lagerbestände zu strecken, dürfen Apotheken aus Originalpackungen exakt nur die für die unmittelbare Therapie benötigte Menge entnehmen.
Für die nationale Versorgungssicherheit ist das ein absolut sinnvoller Schritt. Im ohnehin stressigen Betriebsalltag bedeutet es jedoch einen enormen manuellen Aufwand: Blister müssen entnommen, lichtgeschützt neu verpackt und zwingend mit neuen Etiketten (inklusive Charge und Verfallsdatum) versehen werden. Jeder dieser Schritte erfordert höchste Konzentration. Und das mitten im turbulenten Tagesgeschäft.
Der Frust am Schalter und was das mit dem Team macht
Diese permanente Krisenbewältigung hinterlässt Spuren. Patienten, die Schmerzen haben oder verunsichert sind, weil ihr gewohntes Medikament fehlt, reagieren oft hochgradig emotional. Aktuelle Erhebungen belegen ein besorgniserregendes Phänomen: Ein vermindertes Vertrauen der Patienten in die Apotheken wird immer häufiger als direkte Konsequenz der Engpässe genannt. Dieser Frust entlädt sich fast ausschliesslich beim Personal am Verkaufstisch, das eigentlich nur der Überbringer der schlechten Nachricht ist.
Genau hier entsteht eine toxische Dynamik: Das Personal verwaltet täglich ein Problem, auf dessen Ursprung es absolut keinen Einfluss hat. Dieser chronische Mangel an beruflicher Autonomie ist ein bekannter Treiber für emotionale Erschöpfung und letztlich Burnout. Sogar pharmaSuisse, der Dachverband der Schweizer Apothekerinnen und Apotheker, weist immer wieder auf die weitreichenden Auswirkungen dieser Belastungen hin.
Was Apotheken jetzt tun können, um ihre Teams zu schützen
Da sich die Abhängigkeit von globalen Lieferketten kurzfristig nicht ändern lässt, bleibt Apothekeninhabern und Filialleitungen nur ein Hebel: Sie müssen operative Puffer in ihr System einbauen, um das Stammpersonal spürbar zu entlasten. Wenn das eigene Team durch Engpass-Management und Ärztekontakte blockiert ist, erfordert das Tagesgeschäft smarte, sofort verfügbare Ressourcen.
„Wenn ich als Springerin in eine Apotheke komme, spüre ich oft sofort, wie angespannt die Stimmung ist. Wieder fehlen wichtige Medikamente, das Telefon steht nicht still. In solchen Momenten ist es extrem wertvoll, wenn ich direkt vorne am Schalter einspringen und den Druck rausnehmen kann. So hat das Stammteam im Backoffice endlich die nötige Ruhe, um die aufwändigen Alternativen abzuklären, ohne dass die Kunden warten müssen.“ – Leni Palji, Pharmy Springerin
Moderne Personalmodelle: Frischer Wind statt Dauerstress
Die aktuellen Herausforderungen am Markt lassen sich nur mit resilienten Teams meistern. Genau an diesem Punkt setzen wir mit Pharmy an. Wir glauben, dass moderne Apotheken auch moderne, flexible Arbeitsmodelle brauchen.

Für Apothekenbetriebe
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